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Trauerzeit – Wie gehe ich auf Trauernde zu?

Eutiner Hospizgespräche

09.11.23 Kreisbibliothek Eutin am Schlossplatz 2.

Tinka Beller, Hospiz- und Sterbebegleiterin, Vorsitzende der Lübecker Hospizbewegung e.V.

Tinka Beller 1 Tinka Beller hatte für ihr Eutiner Hospizgespräch das Thema „Trauerzeit – Wie gehe ich auf Trauernde zu?" gewählt. Die etwa 40 Teilnehmenden saßen gespannt in der Kreisbibliothek, wollten dem Vortrag lauschen, fanden sich aber unvermittelt in der Rolle der Trostspender. Denn es war die Referentin selbst, die ihr Herz öffnete und ebenso eindringlich wie anschaulich von ihrer eigenen Trauer berichtete.
Trauer in all' ihren Facetten spiele in jedem Leben eine Rolle. Für viele Menschen, auch für sie, sei es der Verlust von nahestehenden Menschen. Andere wiederum seien traurig über den Tod von Meerschweinchen und anderen Haustieren oder beklagten den Verlust von Arbeitsplätzen.
„Endet die Trauer eines Tages oder bleibt der Schmerz für immer?" ist eine von vielen Fragen, auf die Tinka Beller schon seit mehreren Jahren eine Antwort sucht. Sie lebt in Kappeln, ist dort die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt und Autorin. Als ausgebildete Hospiz- und Sterbebegleiterin ist sie Vorsitzende der Lübecker Hospizbewegung e.V. und ehrenamtlich als Begleiterin für den „Wünschewagen" des Arbeiter Samariterbundes (ASB) tätig.
Tinka Beller zeigte in Eutin Wege auf, die in jenen Momenten helfen können, in denen die Welt stehenzubleiben scheint. „Trauernde wünschen sich, dass ihre Trauer an- und wahrgenommen wird. Und das, solange sie da ist, denn Trauer ist so individuell wie wir Menschen."
Dabei spiele das Alter der Toten keine Rolle. Natürlich sei es fürchterlich, ein Kind zu verlieren. Schrecklich sei beispielsweise aber auch der Tod der eigenen Mutter – auch wenn diese 82 Jahre alt gewesen sei. Menschen dieses Alters Tinka Beller 2 stünden heutzutage doch oft noch mitten im Leben. Sie hätten Pläne und Vorstellungen von einer erlebnisreichen Zukunft. Deshalb seien Sprüche wie: „Na ja, sie hat ja ein schönes langes Leben gehabt!" mehr als unpassend. Tinka Beller: „Es kann doch nicht sein, dass bei allen über 80-Jährigen das Sterben einfach okay ist."

Auch Zuhörerinnen berichteten, wie wichtig es sei, genau hinzuhören und Nuancen in den Erzählungen der Trauernden wahrzunehmen. „Unsere Worte sind gar nicht bedeutsam. Es geht vor allem darum, nahe zu sein", so die Erfahrung einer Sterbebegleiterin. Ganz verkehrt seien hilfloses Zaudern oder falsche Aufdringlichkeit. Tinka Beller ergänzte: „Nicht selten hilft ein liebevolles An-der-Seite-stehen, ein Miteinander-Aushalten, ein gemeinsames Schweigen."

Die Autorin hat schon Werke mit den Titeln „Von der Trauer", „Vom Geschenk des Abschiednehmens" und „Von letzten Wünschen" veröffentlicht. Weitere Bücher sollen folgen.

Christina Düvell-Veen

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