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Demenz – Wenn Sterben nicht verstanden werden kann

Eutiner Hospizgespräche:
16. März 2023 in der Kreisbibliothek Eutin
Karina Richter, Seelsorgerin und Demenzexpertin:
Demenz – Wenn Sterben nicht verstanden werden kann

Karina Richter beginnt ihren Vortrag mit einem Musikvideo von Purple Schulz mit dem Titel „Fragezeichen". Das Video wurde zum Welt-Alzheimertag aufgenommen. Es gibt einen Einblick in die Gefühlsebene von Menschen mit Demenz. Es ist auf YouTube abrufbar.
Im Weiteren wurden die Demenzformen, Stadien und Hauptmerkmale dargestellt und besprochen.
Als Hauptmerkmale sind zu nennen Störungen von Gedächtnis, Orientierung und Konzentration sowie Verhaltens- und Persönlichkeitsveränderungen, zusammengefasst also eine eingeschränkte Alltagsfähigkeit.
Demenz ist eine nicht heilbare Erkrankung. Die Krankheit verläuft in verschiedenen Phasen:

• Rehabilitationsphase: Der/die Kranke kommt noch mit Hilfe von außen zurecht.
Nach Möglichkeit sollte bereits jetzt eine Hospizbegleitung beginnen.
• Präterminalphase: Die Einschränkungen schreiten voran und beeinträchtigen die Aktivitäten stärker.
• Terminalphase: Vorstufe des Sterbens, aber mit wechselnden Zuständen.
• Finalphase: In den letzten Tagen des Lebens sind alle Fähigkeiten stark eingeschränkt.

Ziele von Behandlung und Begleitung sind zunächst die aktive Teilhabe möglichst lange zu erhalten
und die verbleibende Zeit trotz Einschränkungen und Ängsten zu nutzen.
Wichtig ist, die Angehörigen an der Begleitung und der Vorbereitung auf das Sterben zu beteiligen,
insbesondere in der letzten Phase.

Anstelle der Aufarbeitung offener Lebensfragen und Regeln der persönlichen Angelegenheiten, einer Lebensrückschau und dem Bearbeiten von Emotionen haben Demente in der letzten Lebensphase andere Bedürfnisse, die von dem englischen Sozialpsychologen und Gerontologen Tom Kitwood wie folgt zusammengefasst werden: Trost, Identität, Beschäftigung, Einbeziehung, Bindung und Liebe.

Der lange Weg des Abschiednehmens ist für Angehörige sehr belastend. Deshalb ist es umso wichtiger, sich rechtzeitig Hilfe und Unterstützung von außen zu holen. Hierfür stehen vor Ort z.B. Pflegestützpunkt, Alzheimergesellschaft und Betreuungsverein sowie Hospizinitiative zur Verfügung.

Die Beteiligten sollten diese Hilfeangebote für Angehörige und Betroffene wahrnehmen. Sie sollen
das Erleben im Augenblick als Chance für einen guten gemeinsamen letzten Weg erkennen und annehmen.

Das Fazit des Abends: Es ist gut, sich auch schon in dem anfänglichen Stadium Gedanken zu machen, wie der letzte Lebensweg gestaltet werden kann. Vorsorgeplanung zum Lebensende ist sehr wichtig, um am Lebensende überflüssige Krankenhausaufenthalte zu vermeiden und den Willen des Betroffenen zu kennen und zu respektieren, auch wenn er zum Entscheidungszeitpunkt selbst hierzu keine Wünsche mehr äußern kann.

Heike Arp-Seibler

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